Chronik - vor 1945

Erfurter Karneval - ein Überblick.
Vom mittelalterlichen Fastnachtsvergnügen
zur Brauchpflege
der Gemeinschaft Erfurter Carneval von 1991 e.V.

von Rolf Fliedner, Präsident der GEC von 1994-2007


Im Jahre 1342 fanden im Rathaus zu Erfurt die ersten, bis heute bekannten Fastnachtsvergnügen statt. Sie fanden ihre Fortsetzung im 15. Jahrhundert. Zeitzeugen sind die Kalenderblätter der Ratsherren im großen Festsaal des alten Rathauses. Dort hingen - neben aufgestellten Wappen und Setzschilden - an der himmelblauen Decke auch 12 mit Temperafarben gemalte Rundbilder aus Fichtenholz. Neben den - mit schwarzer Farbe auf goldenem Grund angebrachten Monatsnamen - waren die Beschäftigungen der Menschen in den 12 Monaten eines Jahres anschaulich dargestellt. Das Hornung-Februar-Bild verrät uns, dass man schon vor über 600 Jahren den Tanz als winterliches Vergnügen und die Freuden der Fastnachtszeit in Erfordia wohl zu schätzen wusste:

1447 gab es wiederum im Rathaus zu Erfurt allerlei Mummenschanz der Fürsten und Bischöfe.

Die Reformation drängte auf ein Fastnachtsverbot, so konnte sich erst im 18. Jahrhundert die Fastnacht und der Karneval wieder entwickeln. Wanderbühnen der italienischen Stehgreifkomödie und Bräuche an den Fürstenhöfen und Residenzen bereicherten das gesellschaftliche Leben. Auch das Bürgertum feierte auf seinen Redouten und Maskenbällen und versuchte damit, es den herrschenden gleich zu tun.

Unter kurmainzischer Landeshoheit (vom 10.Jh. bis 1802) war Fasching - das Wort bedeutete Lebensfreude und Humor - Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Mit der Mainzer Herrschaft verlagerte sich das Fest in die Statthalterei. Die Statthalter Philipp Wilhelm Reichsgraf von Boyneburg (1702-1717), Franz Anselm von Warsberg (1732-1760) und Karl Theodor Anton Maria Freiherr von Dalberg (1772-1802 haben mit persönlicher Zuneigung die Entwicklung der Stadt Erfurt entscheidend beeinflusst.

Der erste Maskenball in Erfurt - so berichtet Siegmund Friese in seiner Chronik, war am 05.Februar 1704, eine Hoffestlichkeit in der Kurmainzer Statthalterei. Die Maskenfreibälle des Statthalters fanden honorige Gäste auch aus bürgerlichen Kreisen. Neben den Erfurter Volksfesten, der Spittelkirmes, der Peterkirmes, dem grünen Montag, dem Vogelschießen und dem Martinstag werden die Maskenbälle und Redouten zur ständigen Einrichtung.
  Sie fanden zwischen dem Dreikönigstag und Aschermittwoch in verschiednen Wirtschaften statt. Veranstalter waren die Wirte oder auch Gesellschaften. Erfurts Bürger Constantin Beyer berichtet in seiner Chronik über persönliche Erlebnisse auf verschiedenen Maskenbällen der "Gesellschaft auf dem Keller", der späteren Ressource-Gesellschaft, aber auch über einem öffentlichen Maskenball, an dem jederman ohne Eintrittsgeld teilnehmen konnte. Die Bälle "en masque" fanden in den Räumen des Erfurter Ratskellers statt, Handwerkerzünfte und Gilden trafen sich zum Fest so, wie Tischgesellschaften aus Daberstedt, Gispersleben, Ilversgehofen und Hochheim.
  In dieser Zeit dominierten die Maskenbälle und Redouten der Vereine und Gesellschaften, auch der Wirtsleute der Gaststätten. Das ehemalige Reinboth`sche Haus, einst Brauhaus - hatte den Theaterbetrieb 1870 aufgegeben und wird seitdem als Kaisersaal betrieben. Auch der damalige Wirt des Hauses Schlehendorn - J.G. Weber - hat am 01.Januar 1831 mit einer Anzeige geworben, dass es am 6. Januar einen Maskenball gäbe. Der Preis für das Billet beträgt "10 Sgr. wogegen an der Kasse 15 Sgr. Auch wird keinem der Zutritt im Tanzsaal gestattet. Der Anfang ist 8 Uhr."

Nach dem 1. Weltkrieg

Mit dem ersten Weltkrieg war wenig Raum für fastnachtliche Vergnügungen.1919 untersagte auch die Reichsregierung im Sinne "nationaler Trauer nach Versailles" alle öffentlichen karnevalistischen Aufführungen und Veranstaltungen. Das blieb bis in die zwanziger Jahre so. Im preußischen Regierungsbezirk Erfurt galt das Verbot bis 1925. So entwickelte sich privates Eigenleben, bis mit der Wirtschaftskrise das gesellschaftliche Leben erneut erlahmte.

Erst in den dreißiger Jahren beginnt in Erfurt der organisierte Karneval. Geschäftsleute veranstalteten nicht nur Bälle - auch Sitzungen und organisierten den bisher nachgewiesenen 1.Erfurter Karnevalsumzug 1934. Das Wirtschafts- und Verkehrsamt der Stadt war die geschäftsführende Stelle eines Karnevalskomitees für die Stadt.
  Ab 1935 hatte Erfurt einen Prinzen, bis ab 1938 ein Prinzenpaar, das die Karnevalssymbole der Stadt vertrat. Der Schlachtruf hieß: "Erfurt Hi - nein".
  Erst 1938 gründete sich der 1.Thüringer Faschingsausschuss zu Erfurt e.V. Am 01.04.1938 trat dann die Stadt Erfurt auf Empfehlung des Deutschen Städtetages in den Bund Deutscher Karneval ein, der am 16. Januar 1937 in München gegründet wurde. Dieser hat am 08.November 1939 allerdings Karneval in der Öffentlichkeit abgesagt.

Fortsetzung ... (nach 1945 bis 1990)

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