[17.02.2010 - Antwort auf den TLZ-Artikel vom 15.02.2010]


   Erfurter Karnevalsumzug - ein Politikum


Sehr geehrter Herr Karmeyer,

ich finde es wohltuend, dass nur positive Stimmen zu unserem Festumzug sich auch in Ihrer Zeitung äußern. Es wurde auch richtigerweise festgestellt, dass die einseitige Absage unter dem äußeren Druck übereilt war. Dass nun die GEC-Spitze aber die alleinige Verantwortung tragen soll, will ich nicht akzeptieren.
Als langjähriger Präsident der GEC habe ich ständig dafür gekämpft, dass alle, Politik, Verwaltung und die Wirtschaft sich eindeutig hinter das Brauchfest der Stadt stellen mögen.

Der Oberbürgermeister Manfred Ruge versuchte mehrfach, dafür im Stadtrat Rückendeckung zu bekommen. Gelegentlich zeigte sich mal die eine, mal die andere Fraktion positiv gestimmt, manchmal blieb die erhoffte Zustimmung - im Wechsel von Zwietracht und Gemeinsamkeit - gänzlich aus. Probleme mit der Stadtwirtschaft aber hatte es unter Dietmar Schumacher und Wolfgang Reisen nie gegeben.
Kurze Zeit war die Stadt Erfurt auch noch Mitveranstalter und damit Mitverantwortlicher des "Närrischen Altstadtfestes". Dies wurde jährlich in einer Vereinbarung mit dem Oberbürgermeister festgeschrieben. Damit sicherte die Stadt im Ernstfall durch den "kommunalen Schadensausgleich" die Verantwortlichen und das Risiko ab.

Neben der fehlenden finanziellen Beteiligung hat sich die Stadt in den letzten Jahren von dieser Verantwortung für den Zug freigestellt. Die jetzige Vereinbarung mit der GEC gewährt nur noch die hervorragende organisatorische Mithilfe durch die Kulturdirektion. Ansonsten haben städtische Mitarbeiter in der sog. Ämterrunde, die vor dem Altstadtfest regelmäßig mit dem Zugleiter und dem Präsidenten zusammen kommt, keinerlei Pflichten, außer auf Gefahrenmomente hinzuweisen und Forderungen aufzustellen.

Dies geschah zunehmend durch Polizei und Sicherheit, sodass die GEC heute die halbe Zugstrecke "vergittern" muss. Die dafür notwendigen materiellen und personellen Aufwendungen sind durch den Verein nicht mehr zu schultern. Karnevalisten aller Couleur sind zu allem bereit. Sie sind geduldig und motiviert, das größte Volksfest in der festarmen Zeit vor dem Frühling in diesem Gemeinwesen mitzugestalten und Hunderttausende zu begeistern. Die letzte und alleinige Verantwortung für die Sicherheit eines jeden Zuschauers aber kann keiner garantieren. Dies gewährleistet auch nicht die Eigenversicherung der GEC.

Bei dem Risiko, das die Stadtwirtschaft in unserer Innenstadt dem Bürger in diesem Jahr zumutet, wünschte ich mir die Rasenheizung unter der Zugstrecke, denn jede Warnung der Bedenkenträger zählt doppelt, wenn etwas passiert. Die persönliche Haftung wegen "grob fahrlässigen Handelns" aber trägt dann nur einer, der Präsident.
Dass er unter diesem Aspekt das Feldgeschrei nicht kommentiert, muss man ihm zugestehen.
Dennoch müssen die sich fragen lassen, die von und für die Stadt bezahlt werden, warum sie die erforderlichen Vorleistungen für den Umzug nicht erbracht haben. Jetzt geht aber auch mein Wunsch an die Fraktionen im Stadtrat, endlich zu handeln. Die Stadt darf sich aus diesem Brauchfest nicht heraushalten und die GEC braucht endlich zuverlässige Partner an ihrer Seite.
Es geht um das große Volksfest der Stadt - ein Krämerbrückenfest im Winter.

Mit freundlichen Grüßen

Rolf Fliedner
Ehrenpräsident der GEC


  © 2012 www.erfordia-helau.de  |  Gemeinschaft Erfurter Carneval von 1991 e.V.  |  Letzte Änderung dieser Seite: 18.02.2010 - 18:37